Soul & Creation Dipl. Psych. Karen Ritterhoff

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Bindungsorientierte Psychotherapie

Bindungsorientierte Psychotherapie betont die Therapeutische Beziehung
Bindungsorientierte Psychotherapie als Traumatherapie
Welche Bindungstile gibt es?

Es werden der sichere Bindungstil, der unsicher-vermeidende, der ängstlich-ambivalente und der desorganisierte Bindungsstil unterschieden. Zumeist bestehen Mischformen aus den unterschiedlichen Bindungsstilen mit einem besonders dominaten Bindungsstil. Dieser zeigt sich besonders in krisenhaften Situationen.

Was ist sichere oder gesunde Bindung ?

Die Eltern oder die Bezugspersonen sind zugewandt und beständig eingestimmt. Sie sind am Kind interessiert, haben ein Gespür für Grenzen und können wiedergutmachen. Es sind Eltern, die gelernt haben, sich selbst zu regulieren und weder das Kind dafür brauchen noch ihre Dysregulation am Kind ausagieren. Das Kind kann so seinen eigenen Rhythmus entfalten und lernt allmählich sich selbst und die Welt kennen. Es lernt Grenzen und gesundes Sozialverhalten, entwickelt Vertrauen und Kreativität, Selbstwert und Selbstbewusstsein.

Sicher gebundene Erwachsene können Beziehungen eingehen und sich auf Nähe einlassen. Sie können sich selbst regulieren und sind mit sich, ihren Gefühlen und Bedürfnissen in Verbindung. Sie wertschätzen sich und können auch gut allein sein. Das ermöglicht ihnen auch, Beziehungen zu verlassen, die Ihnen nicht gut tun.

Wie zeigt sich vermeidende Bindung?

Hier sind die Eltern emotional abgewandt und vernachlässigend, es besteht ein großer emotionaler Mangel. Das Kind wird funktional versorgt, aber es gibt keine Einstimmung auf die kindlichen Bedürfnisse und Gefühle. Die Kinder passen sich daran an, indem sie die eigene (emotionale) Erwartung und die Suche nach menschlicher Nähe und Kontakt verringern. Das Kind zieht sich in sich zurück und geht in Isolation. Die Verbindung zu sich und anderen und auch zur eigenen Körperlichkeit kann sich nicht entfalten. Bedürfnisse und Gefühle werden abgespalten, dadurch geschieht eine Dissoziation von der eigenen Lebendigkeit.

Auch als Erwachsene zeigen sie wenig emotionales Erleben und Ausdruck. Oft ist Denken und Kognition sehr ausgeprägt und ihre Beziehungen sind eher distanziert und funktional. Es gibt wenig Bedürfnis und Erwartung von Beziehung.

Was kennzeichnet die ambivalente Bindung?

Die Problematiken der ängstlich-ambivalenten Bindung sind die nicht beständige Zuwendung der Eltern und oft auch der emotionale Missbrauch. Die Eltern sind manchmal da und dann wieder nicht in einer unberechenbaren Weise. Die Bezugsperson ist ständig mit den eigenen Bedürfnissen und Befindlichkeiten beschäftigt, was den Kontakt zum Kind bestimmt oder/und das Kind für die eigenen Bedürfnisse benutzt. Zum Beispiel für eigene Kontaktbedürfnisse oder um sich über das Kind zu erhöhen. Das Kind ist durch die Unbeständigkeit völlig auf die Bezugsperson fixiert und verliert dadurch die Verbindung mit sich selbst. Es ist ständig auf der Suche nach Kontakt oder diesen zu halten. Auch sucht es Trost durch Ablenkung und Ersatz.

Als Erwachsene spielen die Sehnsucht nach Beziehung, Suche und Sucht eine große Rolle. Es gibt wenig Vertrauen in Beständigkeit von Beziehung, Verlustangst und eine starke Orientierung am anderen und an der Beziehung. Hier finden sich die „people pleaser“( ich muss es dir recht machen), aber auch diejenigen, die ihre Partner durch Kontrolle für sich sichern wollen.

Was ist der desorganisierte Bindungsstil?

Beim desorganisierten Bindungsstil sind die Eltern, die für Sicherheit und Überleben notwendig sind, auch Bedrohung. Sie sind selbst traumatisiert und dysreguliert und es findet physische oder/und emotionale Gewalt wie Liebes- und Kontaktenzug oder Verachtung und Entwürdigung statt. Oft kommt es zum narzisstischen oder sexuellen Missbrauch, manchmal auch zum sadistischen Missbrauch. Häufig verhalten die Kinder sich chaotisch und zerstören im Aussen, da sie die innere Überflutung und Not nicht halten können. Es zeigt sich in sozialen Schwierigkeiten, Lernschwierigkeiten, Dissoziation und Autoaggression.

Auch als Erwachsene besteht weiter eine hohe Aktivierung im Nervensystem und die Dysregulation wirkt sowohl innerlich (Angst, Depression, somatische Beschwerden) wie im Aussen (schwanken häufig zwischen Aggression und Rückzug). Sie sind weiter im Konflikt sowohl Beziehung und Nähe zu wünschen und gleichzeitig große Angst davor zu haben. Sie haben Schwierigkeiten mit Grenzen und Abgrenzung und auch ihre erwachsenen Beziehungen sind häufig von Gewalt geprägt.

Was bedeutet nun bindungsorientierte Psychotherapie?

Eine freundlich wohlgesonnene Zuwendung und Einstimmung, Beständigkeit und Transparenz, Klarheit und Respekt für die Grenzen und Eigenheit des Anderen wie auch für sich selbst, dies alles sind Qualitäten der sicheren Bindung die durch die therapeutische Beziehung dem Gegenüber angeboten werden.

Bindungsorientierte Psychotherapie setzt auch den Fokus auf die therapeutische Beziehung um immer wieder in der Gegenwart zu landen und diese wahrzunehmen. So kann realisiert werden, dass heute andere Erfahrungen möglich sind.

Bindungsorientierte Psychotherapie bedeutet auch, um die spezifischen Bindungsverletzungen zu wissen und den Beziehungsraum entsprechend zu gestalten. So braucht ein vermeidend organisierter Mensch eher die Möglichkeit, Kontakt und Beziehung in seinem Tempo entdecken zu dürfen, ein „Ambivalenter“ vor allem die Beständigkeit im Kontakt und für den „Desorganisierten“ steht die Transparenz und Klarheit sowie der Respekt von Grenzen im Vordergrund.

Da Bindungsverletzungen eine Traumatisierung sind ist bindungsorientierte Psychotherapie auch eine Form von Traumatherapie.